Das mit dem trainierten Gehör wird allgemein überschätzt. Das hat früher vor 20 Jahren noch gut funktioniert, als weniger Autos auf der Straße unterwegs waren und lautere Verbrennungsmotoren die Regel. Heute bestehen die Straßen in der Stadt aus viel mehr allgemeinen Lärm und die Rollgeräusche von E-Autos gehen darin einfach unter, besonders wenn die Straße trocken ist. Bei Nässe hört man sie zwar etwas deutlicher, aber es ist trotzdem schwierig Entfernung und Richtung genau abzuschätzen. Das Gehör einer blinden Person, ist eher auf "bekannte" Geräusche zur Orientierung in der Umgebung trainiert, wie eine Ampel mit Blindenleitsystem in der Nähe oder das Rattern von Einkaufswagen beim REWE an der Ecke.
Der letzte Zusammenstoß von ihr mit einem E-Auto war an einer Ampel. Sie hatte Grün und ein Autofahrer von gegenüber wollte rechts vor ihr abbiegen. Er hat nicht damit gerechnet, dass sie so schnell laufen würde, weil sie ja blind ist
und wollte sich noch schnell vor ihr durchmogeln, anstatt auf sie zu warten. Sie hat ihn nicht kommen hören ohne AVAS und weil der restliche Querverkehr einfach viel lauter war, als seine geringen Rollgeräusche. Zum Glück ist er nur über ihren Blindenstock gefahren, was am Ende aber 200 € Schaden am Stock ausgemacht haben.
Autos ohne AVAS sind für sie quasi "unsichtbar", solange sie nicht die einzige Geräuschquelle sind oder nicht schnell genug fahren.